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XVI Einleitung

Spur kommen. Das ganze Werk Decurtins empfiehlt sich durch die gewissenhafteste Objektivität und Unparteilichkeit sowohl in der literarischen Beurteilung der Produkte der einzelnen Talschaften, Dialekte und Konfessionen, als in der Aufnahme derselben. Die Absichten, welche das große Werk schufen, waren nicht blos wissenschaftliche, Decurtins wollte auch den nationalen Geist, die Liebe zur heimatlichen Sprache, Sitte und Scholle in seinen Volksgenossen wecken. Er bedauerte, daß die Volkszahl so unbedeutend war, daß ein nationaler Kampf wie bei großen Völkern nicht möglich war, aber er hatte auch seine Ansicht im Vortrag über das Somvixer Passionsspiel, wo er vom baldigen Aussterben des Idioms sprach und mit den Indianern Amerikas die von den Weißen von Dikicht zu Dikicht getrieben wurden, verglich, später korrigiert; denn er schrieb mit kräftigen Strichen an den Rand, „nicht mehr meine Ansicht. Die Sprache wird man noch nach Jahrhunderten sprechen hören; wenn richtig geschafft wird, hat sie ein zähes Leben.“Gegen die Feinde des Romanischen führte er ein scharfes Schwert; wie er den unnatürlichen Fusionismus eines Bühler bekämpfte, so wehrte er sich noch entschiedener gegen chauvinistische uud kurzsichtige Germanisationsbestrebungen von Seiten der Behörden1. Daneben appellierte er an den Enthusiamus der studierenden Jugend, die er durch die Romania, kathol. romanischer Studentenverein, gegründet 1895, um sich sammelte. Er war der Gründer des Ischî, 1897, einer hochstehenden romanischen Zeitschrift, deren Redaktor er bis 1906 war. Diese acht von ihm publizierten Jahrgänge enthalten folgende Beiträge seiner Feder. Ischî Bd. I S. 1 — 16. 1. Introducziun. 2. Ina canzun veglia (Bruchstück eines uralten Liebesliedes). 3. Dus Plaunts da Paidar Busin (engadinisch).

Ischî Bd. II S. 1 — 37. 1. Landrichter Theodor de Castelberg (ein interessantes Stück Bündner Geschichte, enthält einige politische Lieder). 2. Il Rodel della muria gronda (Pestilenzrodel der Gemeinde Somvix).

Ischî Bd. III S. 97 — 147 L’ uiara della Surselva encunter ils Franzos.

Ischî Bd. III S. 179 — 189. Brefs de Landrichter Theodor de Castelberg (6 Briefe an Gieri Antoni Vieli, Abgeordneter der drey Bünde zum Rastadter Kongreß).

Ischi Bd. IV S. 1 — 16. 1. Introducziun 2. La ballada dil fideivel pèr. Dieser Aufsatz erschien wesentlich vermehrt (deutsch) im Schweiz. Archiv f. Volkskunde, Bd. XX S. 86 — 96.

Ischî Bd. V S. 1 — 16. 1. Introducziun. 2. Anton Huonder (Biographie

  1. Vergleiche seine Reden Bd. IV S. 974 und Bd. XII der Chrestomatie. S. 314 — 318.